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Artikel erschienen am 3. Juli 2005
Fabergé für Zar und Zarin
Eine Berliner Ausstellung zeigt Fabergé-Eier der russischen Kaiser. Die Ostergaben waren schon damals teuer. Heute sind sie fast unbezahlbar.
Es läßt sich kaum vermeiden vom Geld zu reden, wenn die Rede auf Fabergé-Eier kommt. Diese Pretiosen, die Zar Alexander III. seit 1885 alljährlich der Zarin zu Ostern schenkte und die Zar Nikolaus II. seit 1895 zu diesem Fest seiner Frau und seiner Mutter dedizierte, hatten damals ihren Preis. Und den haben sie auch heute. Falls sie überhaupt auf den Kunstmarkt kommen. Zuletzt haben 2004 neun dieser kaiserlichen Eier - dazu sechs "nichtkaiserliche" und 180 andere Schmuck- und Zierstücke aus der St. Petersburger Werkstatt Carl Fabergés - für geschätzte 100 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt.
Es war die Fabergé-Sammlung von Malcolm Forbes, dem Gründer des Wirtschafts-Magazins "Forbes". Seine Erben wollten sie bei Sotheby's versteigern lassen, verkauften sie dann aber en bloc dem Oligarchen Viktor Wekselberg, der sie zuerst in Rußland zeigte und nun eine Welttournee seiner Fabergé-Eier startete, die in Berlin begann (noch bis 11. September im Schloß Charlottenburg) und dann nach Brüssel, London und Paris weiterwandert.
Insgesamt fertigte Carl Fabergé in St. Petersburg fünfzig solcher Ostergaben für die beiden Zaren - und daneben noch nicht minder teure wie bescheidenere "nichtkaiserliche" Eier für reiche Russen. Das "Apfelblüten-Ei", heute in der Lichtensteinschen Sammlung von Adulf P. Goop, gehört zu diesen "nichtkaiserlichen". Seinen Wert mindert das jedoch kaum. Im Mai 1994 wurde es von Christie's in Genf für 861 585 Dollar und zweieinhalb Jahre später erneut für 1,3 Millionen Dollar versteigert.
Nur gut ein halbes Dutzend wurde bei Auktionen angeboten, einige davon mehrfach. Deshalb lassen sich nur bei wenigen die Wege - und die Preise - verfolgen. Das "Kuckucks-Ei" von 1900, für das der Zar 6500 Rubel bezahlt hatte, ist ein Beispiel dafür. Wartski hatte es - wie auch das "Orangenbaum-", das "Maiglöckchen-" und das "Krönungs-Ei" - 1927 in Rußland akquiriert. Um 1949 erwarb Isabella Lowe dieses "Kuckucks-Ei", doch bereits 1953 kehrte es zu Wartski zurück, um 1970 an Robert Smith in Washington zu gehen. Der ließ es 1973 bei Christie's in Genf versteigern: für 227 000 Dollar. Als es zehn Jahre später bei Sotheby's erneut versteigert wurde, kostete es Malcolm Forbes nun 1,76 Millionen Dollar. Das "Orangenbaum-Ei" ging durch fünf Hände, ehe es Mildred Kaplan 1965 Forbes für zivile 35 000 Dollar verkaufte. Und das "Krönungs-Ei" und das "Maiglöckchen-Ei", beide von Wartski verkauft und zurückgekauft, waren Forbes zusammen 2,16 Millionen Dollar wert.
Zu dem Kapitel Fabergé gehört, wie so oft in Sachen Kunstmarkt, auch ein Satyrspiel. Während die "kaiserlichen" Fabergé-Eier über jeglichen Fälschungsverdacht erhaben sind, weil jedes einzelne bekannt und dokumentiert wurde, können bei anderen Arbeiten Zweifel durchaus berechtigt sein. Anastas Mikojan, Volkskommissar für den sowjetischen Außenhandel, hatte den Brüdern Armand und Victor Hammer die Originalwerkzeuge aus Fabergés Werkstatt verkauft. Damit zogen die Brüder in Paris eine Produktion von "Fabergé" auf, die kaum als Fälschung zu identifizieren war, weil sie mit den originalen Punzen von Fabergés Werkmeistern bis 1914 gemarkt werden konnte. Peter Dittmar
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